Langzeitstudien berichten, dass die Verbesserungen bei Schmerzen und Bewegungseinschränkung nach einer Liposuktion bei Lipödem in einer monozentrischen Studie mit 85 Patientinnen und Patienten 8 Jahre nach der Operation fortbestanden[1] und in einer weiteren monozentrischen Studie mit 60 Patientinnen und Patienten nach durchschnittlich 12 Jahren[2]. Eine randomisierte Studie an 11 deutschen Zentren ergab, dass 190 (68 %) von 278 Frauen, die der Liposuktion zugeteilt wurden, nach 12 Monaten eine Verringerung der Beinschmerzen um mindestens 2 Punkte erreichten, gegenüber zehn (8 %) von 132 Frauen, die der konservativen Therapie zugeteilt wurden[3]. Dieselbe Studie ergab, dass bei 20 (8 %) von 265 Patientinnen mit Liposuktion unerwünschte Ereignisse als schwerwiegend eingestuft wurden, verglichen mit fünf (3 %) von 145 in der Gruppe mit konservativer Therapie[3].
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Das Lipödem ist eine chronische, unterdiagnostizierte Erkrankung des Fettgewebes, die durch eine unverhältnismäßige Fettansammlung, Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit gekennzeichnet ist[4]. Das Lipödem betrifft überwiegend Frauen und ist durch symmetrisches, übermäßiges Fettgewebe an den Beinen sowie Schmerzen gekennzeichnet[5]. Laut einer systematischen Übersichtsarbeit verzögert eine Fehldiagnose des Lipödems als Adipositas oder Lymphödem die Versorgung und erhöht die Morbidität[4].
Laut einer Übersichtsarbeit zum Lipödemschmerz ist Schmerz ein zentrales Merkmal des Lipödems und ermöglicht die Abgrenzung von anderen Erkrankungen des Fettgewebes[6]. Dieselbe Übersichtsarbeit stellt fest, dass Lipödemschmerzen derzeit nicht medikamentös behandelt werden können und dass Physiotherapie eine vorübergehende Linderung zeigt[6].
Eine Scoping-Review beschreibt die komplette Entstauungstherapie, bestehend aus manueller Lymphdrainage und Kompressionsbekleidung, als Goldstandard der Lipödembehandlung[7]. Ein Studienprotokoll beschreibt als konservative Standardbehandlung eine langfristige umfassende Entstauungstherapie, die lipödembedingte Schmerzen lindern und das psychosoziale Wohlbefinden, die Beweglichkeit und die körperliche Aktivität verbessern soll[5].
Eine systematische Übersichtsarbeit berichtete, dass konservative Therapien, darunter ketogene Diäten oder Diäten für seltene Fettgewebserkrankungen (Rare Adipose Disorders, RAD), Kompressionstherapie und Bewegung im Wasser, mit weniger Schmerzen und Schwellungen verbunden waren[4]. Eine weitere Übersichtsarbeit beschreibt Ernährung, Gewichtsabnahme und komplexe Entstauungstherapie als Mittel zur Symptomkontrolle, die jedoch nicht heilend sind, wobei eine Liposuktion bei schweren Fällen in Betracht gezogen wird, in denen konservative Methoden versagen[8].
In einer monozentrischen Studie mit 60 Patientinnen und Patienten hielten die Verbesserungen durchschnittlich 12 Jahre nach der Liposuktion an, wobei die Beschwerden im Zeitraum von vier bis acht Jahren nach der Operation leicht zunahmen[2].
In einer monozentrischen Studie wurden 164 Patientinnen und Patienten, die über Jahre konservativ behandelt worden waren, mit einer Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie mit vibrierenden Mikrokanülen behandelt[9]. Von diesen 164 Patientinnen und Patienten konnten 112 nach durchschnittlich 3 Jahren und 8 Monaten nach der ersten Operation mit einem standardisierten Fragebogen erneut untersucht werden, mit einer Spanne von 1 Jahr und 1 Monat bis 7 Jahren und 4 Monaten[9].
Die erneut untersuchten Patientinnen und Patienten dieser Studie berichteten entweder über eine deutliche Besserung oder ein vollständiges Verschwinden von Spontanschmerz, Druckempfindlichkeit, Ödemen, Blutergüssen, Bewegungseinschränkung und kosmetischer Beeinträchtigung[9]. Alle diese Beschwerden gingen signifikant zurück, und Patientinnen und Patienten mit Lipödem im Stadium II und III zeigten eine stärkere Besserung als solche im Stadium I[9].
In einer späteren monozentrischen Studie waren 85 Patientinnen und Patienten mit Lipödem bereits nach 4 Jahren untersucht worden, und 8 Jahre nach der Liposuktion wurde eine postalische Befragung wiederholt, häufig in Kombination mit klinischen Kontrollen[1]. Im Vergleich zu den Ergebnissen nach 4 Jahren hielt die Besserung bei Spontanschmerz, Druckempfindlichkeit, Ödemen, Blutergüssen und Bewegungseinschränkung in dieser Gruppe an[1]. Dasselbe galt für die Selbsteinschätzung der Patientinnen und Patienten zu kosmetischem Erscheinungsbild, Lebensqualität und Gesamtbeeinträchtigung[1].
In einer weiteren monozentrischen Studie wurden 60 Patientinnen und Patienten mit Lipödem, die bereits 4 und 8 Jahre nach der Operation befragt worden waren, nach durchschnittlich 12 Jahren nachbeobachtet[2]. Im Vergleich zu den früheren Ergebnissen hielt die Besserung bei Spontanschmerz, Druckempfindlichkeit, Ödemen, Blutergüssen und Bewegungseinschränkung an[2].
In der Zwölf-Jahres-Studie nahmen die Beschwerden im Zeitraum von vier bis acht Jahren nach der Operation leicht zu, im Zeitraum von acht bis zwölf Jahren jedoch nicht[2]. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die positiven Effekte der Liposuktion 12 Jahre nach der Operation ohne relevante Verschlechterung anhielten[2].
In einer Studie mit einer mittleren Nachbeobachtung von drei Jahren und acht Monaten nach der ersten Operation konnte die physikalische Entstauungstherapie entweder entfallen (in 22,4 % der Fälle) oder in deutlich geringerem Umfang fortgeführt werden[9].
Nach acht Jahren war die Verringerung des Umfangs der konservativen Behandlung, also der kombinierten Entstauungstherapie und Kompressionsbekleidung, ähnlich wie vier Jahre zuvor[1]. Nach durchschnittlich zwölf Jahren wurde eine ähnliche Verringerung der konservativen Behandlung beobachtet wie nach vier und acht Jahren[2].
Eine Scoping-Review von dreizehn Studien ergab, dass neun davon einen verringerten Einsatz der Kompressionstherapie bei Patientinnen und Patienten nach einer Liposuktion berichteten und dass keine Studie eine langfristige Zunahme der Kompressionstherapie berichtete[7]. Die Autoren dieser Übersichtsarbeit erklärten, dass die Evidenz nicht ausreicht, um zu sagen, ob eine Liposuktion bei Patientinnen und Patienten, die sich erstmals mit einem Lipödem vorstellen, ebenso wirksam ist wie Kompression[7].
Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie an 11 deutschen Zentren verglich die Liposuktion mit konservativer Therapie bei Frauen mit Lipödem im Stadium I, II oder III und Beinschmerzen von mindestens 4 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10[3]. Vor der Randomisierung erhielten die Frauen bis zu 7 Monate lang eine konservative Therapie und wurden dann im Verhältnis 2:1 der Liposuktion oder der konservativen Therapie zugeteilt[3].
Nach 12 Monaten erreichten 190 (68 %) von 278 Patientinnen, die per Zufall der Liposuktion zugeteilt worden waren, den primären Endpunkt einer Schmerzreduktion um mindestens 2 Punkte, gegenüber zehn (8 %) von 132 Patientinnen, die der konservativen Therapie zugeteilt worden waren[3]. Die sekundären Endpunkte zur Lebensqualität zeigten eine stärkere Verbesserung in der Liposuktionsgruppe[3].
Die Studie verzeichnete zudem mehr unerwünschte Ereignisse in der Liposuktionsgruppe: Unerwünschte Ereignisse traten bei 124 (47 %) von 265 Patientinnen mit Liposuktion auf, verglichen mit 30 (21 %) von 145 Patientinnen in der Gruppe mit konservativer Therapie[3]. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass die Liposuktion bei der Verringerung von Beinschmerzen und der Verbesserung der Lebensqualität überlegen war, jedoch mit einer höheren Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse verbunden war[3]. Eine Langzeitnachbeobachtung dieser Studie über 36 Monate läuft derzeit[3].
In einer retrospektiven Auswertung von 126 Patientinnen wurden die Symptome vor der Operation und sechs Monate danach mit einem strukturierten Fragebogen erfasst[10]. In dieser Auswertung berichteten 89 % über weniger Schmerzen, 92 % über weniger Schweregefühl und 82 % über weniger Ödeme, und die Bewegungseinschränkungen besserten sich bei 91 % der Patientinnen[10]. In 25,4 % der Fälle (n=32) war in dieser Serie ein zweiter Eingriff erforderlich[10].
In einer prospektiven Studie beantworteten 30 von 35 eingeladenen Patientinnen und Patienten die Fragebögen sowohl vor als auch 6 Monate nach einer Liposuktion bei Lipödem[11]. Diese Patientinnen und Patienten zeigten signifikante Verbesserungen bei der Lebenszufriedenheit, bei den Angst- und Depressionswerten sowie beim Selbstwertgefühl[11].
In einer Fragebogenstudie an einem Krankenhaus füllten 511 Patientinnen und Patienten vor der Operation einen Fragebogen aus, 56 füllten einen nach der Liposuktion aus, und 34 füllten beide aus[12]. Die allgemeinen Merkmale der Erkrankung, etwa tägliche Symptome und psychische Gesundheit, verbesserten sich in dieser Studie nach der Operation[12].
In einer Beobachtungsstudie mit 191 Patientinnen mit Lipödem der unteren Extremitäten, die sich zwei Behandlungsschritten einer lymphschonenden ultraschallassistierten Liposuktion unterzogen, nahmen Schmerzniveau und Berührungsempfindlichkeit, gemessen 12 Monate nach Abschluss der Behandlung, signifikant ab[13]. Die Autoren dieser Studie erklärten, dass Langzeitstudien notwendig sind, um eine anhaltende Wirksamkeit zu bestätigen[13]. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zur Vaser-Ultraschall-Liposuktion.
Eine systematische Übersichtsarbeit schloss 61 von 339 Artikeln ein und stellte fest, dass es sich überwiegend um Beobachtungskohorten, Fallserien oder Expertenkonsens handelte, mit wenigen randomisierten Studien[4]. Diese Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass die Tumeszenz-Liposuktion die stärkste Evidenz für eine anhaltende Symptomverbesserung, Beweglichkeit und Lebensqualität zeigte, mit einer Empfehlung des Grades 1 und einer Evidenzqualität von 2-3[4].
Eine internationale Konsensuskonferenz berichtete, dass mehrere Studien aus Deutschland langfristige Vorteile über bis zu 8 Jahre nach einer Liposuktion bei Lipödem in Tumeszenz-Lokalanästhesie festgestellt haben[14]. In einem schwedischen Prozess zur Festlegung von Forschungsprioritäten mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Fachkräften aus dem Gesundheitswesen wurde die Frage „Welche Wirkung hat die Liposuktion auf das Lipödem?“ als eine der fünf wichtigsten Forschungsprioritäten ausgewählt[15].
Eine systematische Übersichtsarbeit zur bariatrischen und metabolischen Chirurgie bei Patientinnen und Patienten mit Lipödem ergab, dass bariatrische und metabolische Chirurgie bei Patientinnen und Patienten mit Lipödem und Adipositas eine bedeutsame Gewichtsreduktion erzielte, die Kernsymptome des Lipödems jedoch nicht durchgängig verbesserte[16]. Wenn Sie Behandlungsoptionen vergleichen, finden Sie weitere Informationen in unserem Beitrag über Übergewicht und Fettzellen.
In der Zwölf-Jahres-Studie zeigten im Vergleich zum Körpergewicht vor der Liposuktion 55 % der Patientinnen und Patienten eine Abnahme um durchschnittlich 6,2 kg, während 43,3 % eine Gewichtszunahme von durchschnittlich 7,9 kg hatten[2].
In der Studie mit einer mittleren Nachbeobachtung von drei Jahren und acht Monaten wurden keine schwerwiegenden Komplikationen beobachtet, bei einer Wundinfektionsrate von 1,4 % und einer Blutungsrate von 0,3 %[9]. In der randomisierten Studie hatten 20 (8 %) von 265 Patientinnen mit Liposuktion schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, verglichen mit fünf (3 %) von 145 in der Gruppe mit konservativer Therapie[3].
Eine Studie mit 213 Patientinnen und Patienten, die sich einer Liposuktion bei Lipödem unterzogen, fand nach der Operation einen signifikanten Abfall des Vitamin-D-Spiegels im Serum, unabhängig vom abgesaugten Volumen oder vom BMI[17]. Die Autoren wiesen darauf hin, dass die Langzeitfolgen dieses Vitamin-D-Verlusts in dieser Patientengruppe derzeit unbekannt sind[17].
Ein Vergleich ergab, dass der Bedarf an Schmerzmitteln nach der Operation bei Lipödem-Fällen den Bedarf bei Lymphödem-Fällen nach einer Liposuktion an den unteren Extremitäten weit übertraf[18]. Eine Studie beschreibt die postoperative Fibrose als häufige und bedeutsame Komplikation nach einer Liposuktion bei Lipödem, die oft zu Gewebeverhärtung und Schmerzen führt[19]. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag über Serom und Schwellung nach Fettabsaugung.
Wenn Sie nach der Operation Brustschmerzen, Atemnot, eine rasch zunehmende Schwellung oder Fieber bekommen, wenden Sie sich bitte sofort an Ihre Chirurgin oder Ihren Chirurgen oder an den Rettungsdienst.
Ein Beratungsgespräch mit einer fachärztlich qualifizierten Chirurgin oder einem fachärztlich qualifizierten Chirurgen ist der richtige Ort, um diese Ergebnisse mit Ihrer eigenen Situation abzuwägen. Mögliche Fragen sind etwa:
In einer monozentrischen Studie mit 60 Patientinnen und Patienten hielten die Verbesserungen bei Schmerzen und Bewegungseinschränkung nach durchschnittlich 12 Jahren an, und es wurde eine ähnliche Verringerung der konservativen Behandlung beobachtet[2].
In einer Serie mit Langzeitnachbeobachtung konnte die physikalische Entstauungstherapie entweder entfallen (in 22,4 % der Fälle) oder in deutlich geringerem Umfang fortgeführt werden[9].
In einer randomisierten Studie an 11 deutschen Zentren erreichten 190 (68 %) von 278 Frauen, die der Liposuktion zugeteilt wurden, nach 12 Monaten eine Verringerung der Beinschmerzen um mindestens 2 Punkte, gegenüber zehn (8 %) von 132 Frauen, die der konservativen Therapie zugeteilt wurden[3]. Die Liposuktion war in dieser Studie mit einer höheren Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse verbunden[3].
In einer Studie mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 12 Jahren nahmen die Beschwerden zwischen vier und acht Jahren nach der Operation leicht zu, zwischen acht und zwölf Jahren jedoch nicht[2].